LR ANSCHOBER: Gemeinsamer Kampf gegen gefährliches Atommüllendlager an Mühlviertler Grenze: Große Informationsveranstaltung des Landes am Dienstag, 8. September, 19.00 Uhr in Schwarzenberg

„Ohne Atommüllendlager kann es keinen Ausbau von Temelín geben, darum muss das geplante Endlager nur wenige Kilometer nördlich unserer Grenze unbedingt verhindert werden“, sagt Energie- und Umweltlandesrat Rudi Anschober. Und lädt für Dienstag, 8. September, um 19.00 Uhr zu einer Informationsveranstaltung in Schwarzenberg ein. Dabei werden Anschober und der Anti-Atombeauftragte des Landes Oberösterreich Radko Pavlovec aktuell über den Stand der Endlagersuche in Tschechien informieren und das weitere Vorgehen – in Allianz mit AtomgegnerInnen aus Bayern und Tschechien – diskutieren. Anschober: „Nur in einer engen Zusammenarbeit mit Initiativen gegen die gescheiterten Endlagerprojekte in Deutschland können wir etwas erreichen. Denn eine Atomstromproduktion ohne Entsorgung bedeutet eine völlig verantwortungslose Hypothek für tausende Generationen.“

Bereits seit Ende der 1950er Jahre, also seit einem halben Jahrhundert, wird in Deutschland nach einem Atomendlager gesucht – bis heute ergebnislos. Im Februar 1961 wurde im Versuchsreaktor bei Kahl am Main die Atomstromproduktion und damit die Erzeugung von hochradioaktivem Atommüll gestartet. 1967 wurde das erste Endlager Deutschlands im Salzstock Asse in Niedersachsen eingerichtet. Obwohl bereits 1967 ExpertInnen warnten, „dass die Grube zu einem nicht vorauszusehenden Zeitpunkt vollständig mit Wasser gefüllt sein wird", wurden bis 1978 125.787 Fässer mit schwach- und mittelradioaktivem Müll im Schacht versenkt. 1978 wurden vom Land Niedersachsen die Genehmigungen zurückgezogen, 1988 trat an der Südseite Wasser ein. Als Endlager geeignet war das Salzbergwerk nach Einschätzung des Bundesamtes für Strahlenschutz nie. 2008 wurde bekannt, dass Asse vom Einsturz bedroht ist und das Risiko besteht, dass die Grube „absäuft", wie Wolfram König, Präsident des deutschen Bundesamtes für Strahlenschutz, attestierte. Fieberhaft wird derzeit von den StrahlenschützerInnen nach Lösungsmöglichkeiten für Asse gesucht. In Morsleben in Sachsen-Anhalt hatte die DDR seit den 70er Jahren schwach- und mittelradioaktiven Müll gelagert. Die Umsetzung des Konzeptes für Sicherung und Stabilisierung wird derzeit auf zwei Milliarden Euro geschätzt.
Unendliche, sündteure Suche ohne Ergebnis
In Gorleben wird seit mehr als 30 Jahren die Möglichkeit eines Endlagers geprüft, 1,5 Milliarden Euro wurden bisher investiert – auch hier bisher erfolglos.
Anschober: „Diese unendliche Suche nach einem Endlager in Deutschland zeigt, dass der Betrieb von Atomkraftwerken ohne gesicherte Entsorgungsmöglichkeit verantwortungslos ist. Der hier anfallende hochradioaktive Abfall kann hunderttausende Jahre strahlen – niemand kann garantieren, dass über derartige Zeiträume eine sichere Lösung geschaffen werden kann. Die deutsche Suche nach einem Endlager muss mittlerweile eine sichere Entsorgung für eine Million Jahre sicherstellen."
Anschober will die Erfahrungen der deutschen Initiativen mit der erfolglosen Endlagersuche in Deutschland für den Widerstand gegen das geplante tschechische Atommülllager im Dreiländereck Südböhmen, Bayern, Oberösterreich nun umfassend nutzen.
Grenzüberschreitender Widerstand durch die Bevölkerung Südböhmens, Bayerns und Oberösterreichs
Nach aktuellen Aussagen soll im militärischen Sperrgebiet Boletice in der Nähe von Česky Krumlov nun neuerlich die Eignung als Endlagerstandort untersucht werden, nachdem dies bereits vor Jahren einmal negativ geendet hatte. Geplant ist, dass ein allfälliger Baubeginn im Jahr 2050 erfolgen soll.
Anschober: „Das können und werden wir nicht einfach hinnehmen! Die Endlagersuche ist der Schlüssel dafür, unser Ziel, einen Stopp eines weiteren Ausbaus von Temelín und in weiterer Folge eine Stilllegung der Reaktoren 1 und 2 zu erreichen. Denn im Rahmen des UVP-Verfahrens zum Ausbau von Temelín ist die realistische Möglichkeit eines Endlagers eine Genehmigungsvoraussetzung. Das ist auch der wirkliche Hintergrund für die neuerliche Endlagersuche. Viele tschechische ExpertInnen wissen genau, dass dies am geplanten Standort völlig unrealistisch ist. Dennoch wird eine Scheinaktivität gesetzt, um eine UVP-Genehmigung für den Weiterbau von Temelín zu erhalten. Wir werden deshalb mit aller Kraft und allen politischen und rechtlichen Handlungsmöglichkeiten versuchen, diese Planungen möglichst rasch zu stoppen, um damit auch einen Trumpf gegen eine UVP-Genehmigung des Ausbaues von Temelín zu erreichen."
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