LKA OÖ

Ein 49-jähriger Beschuldigter wurde nunmehr nach mehr als zehnjähriger Flucht neuerlich von Zielfahndern in Warschau festgenommen. Der Mann gilt als einer der Erfinder des sogenannten Nichten-/Neffen-/Enkeltricks und als einer der erfolgreichsten Keiler (Anrufer). Gemeinsam mit zwei Brüdern und einem Schwager dürfte der damals noch in Hamburg Lebende diesen modus operandi Ende 1999 erfunden und dann erfolgreich ausgeübt und immer wieder verfeinert haben. Es ist davon auszugehen, dass mit diesem modus operandi allein im deutschsprachigen Raum seit der Erfindung ein Schaden von bis zu einer Milliarde Euro verursacht wurde.
Nach ersten Ermittlungserfolgen deutscher Ermittler flüchtete der 49-Jährige bereits 2001 nach Polen und ist es ihm bis dato gelungen, sich dort der Strafverfolgung zu entziehen. Nach Festnahmen im Mai 2014 und im Februar 2017 gelangte "Hoss", so sein Spitzname nach kurzzeitiger Haft gegen Kaution und auf Grund angeblicher Krankheiten immer wieder in Freiheit. Nach seiner neuerlichen Entlassung im Februar 2017 äußerte selbst der polnische Justizminister im polnischen Fernsehen Bedenken über das Vorgehen der polnischen Justiz.
Am Donnerstag, den 16. März 2017, wurde nun "Hoss" neuerlich in einer Wohnung im Norden von Warschau festgenommen. Im Gegensatz zu früher, wo "Hoss" relativ offen und unbehelligt in Polen lebte, hatte er sich nun seit seiner letzten Entlassung offenbar bewusst versteckt gehalten und auch sein Aussehen markant verändert.
Neben dem polnischen Haftbefehl besteht gegen den 49-Jährigen seitens Österreich ein Europäischer Haftbefehl, in dem er verdächtigt wird, gemeinsam mit seinem Sohn, welcher aktuell in Hamburg vor Gericht steht, Enkeltrickstraftaten in Österreich vollendet zu haben.